Ding therefore Dong
Eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Robert Szabo kuratiert mit Sox Team Marlene Zoë Burz, Manuel Kirsch und Björn Streeck.
Thomas Bayrle, Anna Beil, Boxo, D*Face, Tracy Emin, Elmgreen & Dragset, Gilbert & George, Jenny Holzer, Damien Hirst, Gary Hume, Barbara Kruger, Meret Oppenheim, Piero Manzoni, Roland Mittelstaedt, Rotganzen, Michi Schneider, David Shrigley, VISO Project, Victor Vasarely, Roser Virandel
Ding therefore Dong ist eine Wortcollage aus der ikonischen künstlerischen Textarbeit I Shop therefore I am von Barbara Kruger aus dem Jahr 1987 und dem knapp zwei Jahrzehnte später entstandenen poetischen Sound Piece Ding Dong (2006) von David Shrigley. Das dadaistische Axiom gibt nun einer Ausstellung den Titel, die in der Kleinarchitektur Haus 1, einer ehemaligen öffentlichen Toilette am Halleschen Ufer in Berlin-Kreuzberg die Frage nach dem Zusammenhang und Eigenleben privater Kunstsammlungen aufwirft.
Das Projekt erinnert dabei beiläufig an die kultische Verehrung, die seit den 1990er-Jahren (meist männlichen) privaten Sammlern entgegengebracht wurde, die an einem entfesselten Kunstmarkt kapitalstark und entscheidungsfreudig die immer teureren Objekte zusammentrugen, die sich öffentliche Museen nicht mehr leisten konnten. Geld generierte dabei nicht nur soziale Beachtung. Die Werke schienen, mit dem Etikett des privaten Kapitalgebers ausgestattet, auch einen neuen Sinnzusammenhang zu bilden und wurden alsbald, unter selbstbewusster Mitsprache der Eigentümer, wieder in die Museumswelt eingeschleust. Ein kausales Pendeln, das scheinbar unausweichlich beschreibt, dass es das eine nicht ohne das andere gibt? Das eine ist konkret, wie ein objektartiges Ding, das andere diffus, wie ein wolkiges Dong? Ding, also Dong. Dong folgt aus Ding. Dingdong wird zum Tür-Gong und Kassenklingeln eines kapitalmarktbasierten Bedeutungsraumes. Als wäre er auch gerade noch ein Toilettenraum gewesen.
Aber hätte dieser Akkumulationsprozess überhaupt eine Alternative? Werden die Kunstwerke heute von ihren unfreiwilligen Nachbarschaften am Leben gehalten? Ding therefore Dong beschreibt ein Pendeln von Objekt zu Objekt, Idee und Information, Erfindung und Geschichte. Die Teile treffen reaktionsfreudig aufeinander und gehen mit unterschiedlicher Stabilität neue Verbindungen ein. Das Projekt löst die private Sammlung Robert Szabos aus der Intimität seiner privaten Wohnung heraus. Es schafft eine Versuchsanordnung aus Kunstgegenständen, um experimentell das physikalische Weltbild in Frage zu stellen, in dem jedes Werk nach den Newtonschen Gesetzen der Schwerkraft auf den Boden der Sinnhaftigkeit fällt und die Anhäufungen des Konsums ein stabileres Selbstbewusstsein verheißen als die romantische Beschwörung kritischer Reflexion.
Insgesamt sind die Konzepte zwar eher nostalgisch, aber ein ironischer Determinismus schwingt weiterhin durch die Unsicherheit des Selbstbewusstseins.
Die Ausstellung wird vom Sox Team in Zusammenarbeit mit Robert Szabo kuratiert. Beide Partner verbindet die Begeisterung für einen einfachen und niedrigschwelligen Zugang zur Kunst. Sox betreibt seit Jahren ein Schaufenster in der Berliner Oranienstraße als autonomen Projektraum. In ihm präsentieren sozioökonomisch und betriebshierarchisch sehr unterschiedlich positionierte Künstlerinnen und Künstler ortsspezifische Projekte und setzen sie einem zufälligen Publikum aus.
Ding therefore Dong ist die zweite öffentliche Präsentation der privaten Sammlung Szabo.